Homöopathische Mietsenkungen als Trendwende?

„Wo die Mieten in Deutschland sinken“ titelt Spiegel online heute Morgen. Doch beim Lesen zeigt sich: Die gute Nachricht ist leider keine. Die Mieten sinken nur sehr geringfügig und wahrlich nicht überall. Es geht eher um homöopathische Dosen, deren Wirksamkeit ja bekanntlich umstritten ist. Die Mieten bei neuen Verträgen sind im vierten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 0,3 Prozent zurückgegangen. In elf der teuersten 50 Städte wurde es billiger: in Garmisch-Partenkirchen, Fellbach, Olching, Ingolstadt, Bad Homburg v. d. Höhe, München, Germering, Bad Vilbel, Rheinfelden (Baden) und Konstanz.

Was das für eine Trendwende sein soll, bleibt das Geheimnis der Spiegel-Autoren. Ein bundesweiter Rückgang um 0,3 Prozent ist sicher keine Trendwende für die Mieter*innen. Sondern angesichts der jahrelangen explosionsartigen Mietensteigerungen in deutschen Großstädten - allein zwischen 2013 und 2018 stiegen die Mieten in Berlin um 52 Prozent, in Augsburg um 40 Prozent und in München um 35 Prozent - ein schlechter Witz. Zudem machen Neuvertragsmieten nur einen kleinen Teil aus. Die Bestandsmieten, also laufende Mietverträge, stiegen im selben Zeitraum munter weiter um 1,4 Prozent.

Doch in den Börsenachrichten im Morgenmagazin wurde die Entwicklung als Warnsignal an die Märkte bezeichnet. Denn diese geringfügige Abbremsung des Mietenwahnsinns beeinträchtige die Gewinnerwartungen bei Immobilienkäufen. Sinkende Mieten sind schlecht für den Wohnungsmarkt. Denn die Mieten der Einen sind die Gewinne der Anderen. Ein trauriges und sehr anschauliches Beispiel wie der Markt alles regelt.

 

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